Das Bienenjahr - jahreszeitlicher Rhythmus im Bienenvolk

Ein Bienenvolk durchläuft während eines Jahres verschiedene Abschnitte, die sich wie folgt unterteilen lassen:

1. Vorbereitungs- und Ruhephase (August bis Januar)
2. Phase der stärksten Bienenvermehrung (Februar bis Juni)
3. Weiselerneuerungsphase (Mai/Juni)
4. Phase der Vorratssammlung (April bis September)
5. Phase der Drohnenschlacht (Ende August)
6. Phase der Räuberei

Vorbereitungs- und Ruhephase

Im Spätsommer, ab ca. August, werden vermehrt Jungbienen erzeugt, die für die Überwinterung bestimmt sind. Diese legen sich hierzu ein Fett-Eiweiß-Polster an, welches ihnen als Reserve für den Winter und das Frühjahr dient. Darüber hinaus verausgaben sie sich kaum noch durch Aufgaben wie Brutpflege oder Sammelflüge. Die längere Lebensdauer dieser Bienen legt den Grundstein für die nächste Phase, denn sie bleiben physiologisch jung, wodurch sie im Frühjahr in der Lage sind, Tätigkeiten von Bienen aller Altersklassen zu verrichten. In den Monaten des Spätsommers wird das Spättrachtangebot an Nektar und Pollen sowie das Sammeln von Kittharz von den übrigen Arbeiterinnen noch voll wahrgenommen. Sie verschließen zudem Zugluft erzeugende Ritzen mit Kittharz.

Die Bruttätigkeit geht im Laufe des Spätsommers immer mehr zurück und endet etwa im Oktober. Um diese Zeit werden auch die alten, verbrauchten Arbeiterinnen ausgeschieden, da sie für den Winter und das Folgejahr wertlos sind. Je nach Wetterverhältnissen ziehen sich die Bienen nun  allmählich zwischen Flugloch und den Futtervorräten zur Wintertraube zusammen, um eine etwa bis Februar dauernde Ruhephase zu verbringen, welche jedoch kein Winterschlaf ist. Die Bienen sind in dieser Phase vielmehr langsam, aber dafür ständig in Bewegung. Sie zehren in dieser Zeit von Futtervorräten. Zudem wird durch Muskelbewegungen Energie erzeugt, welche dazu führt, dass an der Außenhaut der Wintertraube eine Temperatur von ca. 13 ° C besteht. Kühlen die äußeren Bienen ab, drängen sie nach innen und andere, erwärmte Bienen gelangen nach außen. Der Kot der Bienen wird während der Winterruhe in der Kotblase angesammelt und in Reinigungsflügen, welche ab einer Außentemperatur von über 10° C stattfinden, abgegeben.

Bienenvermehrung

Im Vorfrühling wird allmählich das Brutgeschäft wieder aufgenommen und die Temperatur im Brutnest steigt auf 35°C an. In dieser Zeit kommt es zu einem erhöhten Honigverbrauch. Erforderliches Eiweiß für die Futtersafterzeugung wird zunächst aus den körpereigenen Eiweiß-Fettpolstern der Arbeiterinnen, später von eingetragenen Pollen entnommen. Der Wasserbedarf für die Larvenernährung steigt in dieser Zeit ebenfalls an. Das benötigte Wasser sowie der Nektar werden von den Arbeiterinnen in ihrer Honigblase eingetragen. Das erste Nektarangebot bewirkt einen starken Brutauftrieb und die Legeleistung der Königin ist während der Zeit der Volksentwicklung und Haupttracht besonders hoch. Auf dem Höhepunkt ihrer Legetätigkeit im Mai kann sie pro Tag weit über 1000 Eier ablegen.

Im späteren Frühjahr setzt auch der Bautrieb ein. Die Arbeiterinnen bauen verschiedene Waben mit Arbeiterinnen- und mit Drohnenzellen.
Im Bienenvolk sind zu dieser Zeit etwa zwei Drittel Jung- oder Stockbienen und ein Drittel Flugbienen vorhanden. Zwischen den Bienen im Stock herrscht ein ständiger Futteraustausch durch wechselndes Betteln und Anbieten, wodurch die Weiselpheromone ununterbrochen in Umlauf sind. Dies ist entscheidend für den sozialen Zusammenhalt des Bienenvolkes.

Die jeweilige Aufgabe der Arbeiterinnen hängt von ihrem Alter ab. Unmittelbar nach dem Schlupf nehmen sie Nahrung auf und wandeln diese in Wärmeenergie um, mit der sie die Brut wärmen. Jüngste Bienen beginnen darüber hinaus auch mit Putzarbeiten zum Reinigen der Zellen in Vorbereitung für die nächste Brut. Später füttern sie ältere Maden und können im weiteren Verlauf mit der Entwicklung der Futtersaftdrüsen als Ammenbienen auch jüngste Larven füttern. Im Anschluss entwickeln sich die Wachsdrüsen und die Biene wird Bauarbeiterin und nimmt von den Sammlerinnen eingetragenes Futter ab. Nach der dritten Lebenswoche bilden sich Futtersaft- und Wachsdrüsen wieder zurück. Die Arbeiterin bewacht in dieser Zeit das Flugloch, führt in immer größeren Kreisen Orientierungsflüge durch und sammelt schließlich bis ans Ende ihres etwa 6-wöchigen Lebens als Flugbiene Pollen, Nektar und gegebenenfalls Wasser oder Kittharz.

Zum schnellen Auffinden einer Tracht kommunizieren die Arbeiterinnen untereinander durch Vollführen verschiedener „Tänze“. So führen sie zum Beispiel achtförmige Rundtänze aus, wenn eine Trachtquelle bis zu 100m vom Bienenstock entfernt ist. Bei weiter entfernten Trachten werden so genannte Schwänzeltänze ausgeführt, welche Informationen zu sowohl Trachtqualität und Entfernung als auch Richtung zur Sonne geben.


Weiselerneuerung

Auf dem Höhepunkt der Entwicklung des Bienenvolkes befinden sich ca. 60.000 Bienen im Volk. Auf Grund dieser großen Anzahl von Individuen verringert sich die Wirkung der Pheromone, besonders bei älteren Königinnen, die ca. 2 bis 3 Jahre alt sind. Daraus resultierend entwickelt sich der Schwarmtrieb und Geschlechtstiere werden ausgebildet.

Zunächst wird ein Drohnenbau erzeugt, welcher aus Waben mit sechseckigen Zellen besteht, die im Vergleich zum Arbeiterinnenbau größer sind. In diese legt die Königin unbefruchtete Eier, aus denen später Drohnen entstehen. Im Anschluss werden dann 5 - 20 Weiseln aufgezogen. Hierfür legen die Arbeiterinnen am Rand von Brutwaben eichelförmige Becher an, in denen je ein befruchtetes Ei abgelegt wird.

Mit dem Aufkommen des Schwarmtriebes lassen gleichzeitig Eiablage, Bau- und Sammelbetrieb nach. Zum Zeitpunkt der Verdeckelung der ersten Weiselzelle fliegt, meist in den Vormittagsstunden, etwa die Hälfte des Bienenvolkes mit der alten Königin als "Vorschwarm" aus. Wegen der verhältnismäßig geringen Flugtüchtigkeit der Altweisel lässt sich der Vorschwarm meist in Standnähe an einem Baumast oder Strauch nieder und bildet dort eine Schwarmtraube. Ähnlich wie bei der Trachtvermittlung kommunizieren Kundschafterbienen durch Tänze auf der Schwarmtraube von ihnen entdeckte Höhlen als neuen Wohnraum. Der Schwarm zieht daraufhin schließlich, meist am späten Nachmittag, in eine dieser neuen Behausungen ein. Im verbliebenen Bienenvolk sind derweil nach einer Woche die ersten jungen Königinnen ausgebildet. Nach dem Schlupf der ersten Jungweisel ziehen meist noch 1-2 Nachschwärme, zuweilen gleich mit mehreren Königinnen, aus, worauf es auf der Schwarmtraube zu Zweikämpfen kommt, nach denen nur eine Königin übrig bleibt. Das Restvolk gibt schließlich den Schwarmstimmung auf. Die zuletzt geschlüpfte Königin vernichtet mit Hilfe der Arbeiterinnen Zellen mit noch nicht geschlüpften Weiseln.

Während die Königin des Vorschwarms nach dem Bau der ersten Wabenzellen schon mit der Eiablage beginnt, muss die junge Weisel des Restvolkes zunächst zur Begattung ausfliegen. Die paarungsbereiten Königinnen fliegen hierzu während ihrer einmaligen Brunstzeit mehrmals zu so genannten Drohnensammelplätzen, um sich während ihres Fluges in 15-30 m Höhe von mehreren Drohnen begatten zu lassen. Die Drohnen sterben im Anschluss ab.

Der Imker ist bestrebt diesen natürlichen Schwarmtrieb zu dämmen, um ihn gezielt für seine eigenen Zuchtzwecke zu nutzen. Es gibt sehr unterschiedliche Arbeitsweisen in der Imkerei um eine kontrollierte Königinnenzucht (Eistreifen, Umlarvtechnik) und Jungvolkbildung (Kunstschwarm, Sammelbrutableger) nach dem Wunsch des Imkers zu erreichen.

Trachtzeit (Bevorratungszeit)

Als Trachtzeit bezeichnet der Imker die Monate (Ende März bis September) in denen die Bienen ihre Vorräte anlegen. Hier sammeln sie nicht nur Nektar für den beliebten Honig sondern auch Pollen, der zu Bienenbrot verarbeitet wird. Aus gesammelten Baumharzen stellen sie Propolis (eine Art Konservierungs- und Desinfektionsmittel) her und auch das Wasser sammeln gehört zu den Aufgaben der Flugbienen.
Am Ende der jeweiligen Trachtzeiten, die je nach Region und Witterung in den Monaten von Anfang Juni bis Ende September liegen kann, beginnt für den Imker die Honigernte der Früh, Sommer und Spättracht. Damit sind Honigmischungen und Sortenhonige (Raps, Linde, Akazie, Tannen….) aus für die Jahreszeit typischen Nektaren und Honigtaue gemeint.

Drohnenschlacht

Im August lässt die Tracht bei allen Völkern, die über eine begattete, als überwinterungsfähig befundene Königin verfügen, nach. In dieser Zeit werden die Drohnen, etwa durch Abdrängung von den Futterplätzen und Verbannung aus dem Stock, abgetrieben. Durch Nahrungsmangel geschwächt, fallen sie zu Boden und sterben ab. Heimkehrende Drohnen werden nicht mehr in den Stock gelassen, und auch noch vorhandene Drohnenbrut wird ausgesaugt und hinausgeworfen.

Räuberei

Nach der letzten Honigernte ersetzt der Imker den geernteten Honig durch ein Ersatzfutter (meistens eine Rübenzuckerlösung). Jetzt beginnt auch die große Zeit der Räuberei unter den Bienenvölkern. Große, starke Bienevölker überfallen die Schwachen und rauben deren Winterfutterbestände. Oft kommt es zu regelrechten Kämpfen zwischen den Völkern und nicht selten wird das schwächere Volk dabei gänzlich vernichtet.

Quelle: Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf (in Auszügen)