Europäische Faulbrut

Kurzinfo
Erkrankung / Ursache Europäische Faulbrut (Gutartige Faulbrut,  Melissococcus pluton, Paenibacillus alvei u.a.)
Nachweis Labordiagnose (Differenzialdiagnose zur amerikanischen Faulbrut)
Symptomatik Die Larven liegen gelblich verfärbt und verdreht in der Zelle. Erkrankung vor der Verdeckelung.
Behandlung Abtöten oder Kunstschwarmbildung mit Hungerphasen erkrankter Völker. Reinigung und Desinfektion der Ausrüstung wie bei amerikanischer Faulbrut.

Der Erreger der europäischen Faulbrut wird von den Larven mit dem Futter aufgenommen. Äußerlich ist die Aufnahme des Erregers durch die Larven an einem 2-3 mm großen, durch die Larvenhaut durchschimmernden Klumpen zu erkennen, der durch die vermehrte Nahrungsaufnahme der Larven entsteht. Erkennen die Bienen dieses Fehlverhalten, werden die Larven entfernt. Eine schwache Infektion kann von den Larven überlebt werden. Mit der Öffnung des Mitteldarms im Streckmadenstadium gelangen jedoch auch die Erreger der europäischen Faulbrut nach außen, was in Form des „Schwarzen Lackes“, der noch mehrere Jahre infektiös ist, am Zellboden sichtbar wird. Oft gehen die Larven jedoch im Rundmadenstadium oder kurz nach der Verdeckelung an den von den Bakterien abgegebenen Toxinen ein. Die tote Brut hat dann einen typisch fauligen Geruch.

In einem infizierten Bienenvolk kann über Jahre ein Gleichgewicht zwischen der Vermehrung und der Elimination des Erregers bestehen. Die Bienen übertragen einerseits den Erreger mit dem kontaminierten Futter auf die Brut, andererseits entfernen sie ihn mit der ausgeräumten Brut und der Reinigung der Zellen. Das Hygieneverhalten der Bienen hat somit einen entscheidenden Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Die Ausprägung dieses Verhaltensmerkmals ist genetisch bedingt, wird jedoch durch ungünstige Haltungsbedingungen, Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln oder anderen Erkrankungen wie der Varroose negativ beeinflusst.

Die erkrankten und geschwächten Völker sind häufig Ziel von räubernden Bienen. Über das Futter kann es somit zu einer massiven Infektion kommen. Der Verflug von Bienen spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Sollte das Volk sich nicht selbst heilen können, kann mit einer Reizfütterung der Putztrieb der Bienen angeregt werden. Auch ist es zu empfehlen, die am stärksten infizierten Brutwaben auszutauschen. Eine Reinigung der Waben in der Brutpause kann auch durch das Aufziehen einer neuen Königin erreicht werden.
In schwächer infizierten Völkern besteht eine Behandlungsmethode darin, Waben mit offener Brut zuzugeben. In diesem Falle kommt es durch den erhöhten Futterbedarf von infizierten Maden auch bei diesen zuerst zu Futtermangel. Dies erkennen die Bienen und räumen die Brut daraufhin aus.
Darüber hinaus kann bei stärkerem Befall das Kunstschwarmverfahren unter einer Hungerphase der erkrankten Völker einsetzen. Eine Abtötung des Volkes ist in besonders schweren Fällen zu empfehlen.
Die beste Vorbeugung für die europäische Faulbrut ist es, ein gutes Nektarangebot zu sichern. Damit ist gewährleistet, dass das Hygieneverhalten der Bienen aufrechterhalten wird, und das Volk somit von allein mit der Krankheit fertig wird.