Ameisensäure

Ameisensäure ist eine farblose, ätzende und in Wasser lösliche Flüssigkeit. Sie zählt zu den gesättigten Carbonsäuren und wurde ursprünglich aus toten Ameisen isoliert, wodurch sie ihren Namen erhielt. Sie wird heutzutage chemisch mit Hilfe von Natriumhydroxid oder Methanol und Kohlenmonoxid hergestellt. In der Natur ist Ameisensäure in Tieren  und Pflanzen zu finden, oft als so genannter Giftcocktail, der zu Verteidigungs- oder Angriffszwecken genutzt wird. Stechimmen, Waldameisen, Quallen und Brennnesseln sind einige Beispiele.
 
Ameisensäure wird in verschiedenen Bereichen verwendet. Hierzu zählen Medizin, Textil- und Lederindustrie oder chemische Industrie. In der Imkerei ist sie ein bewährtes Mittel zur Bekämpfung der Varroamilbe.

Insbesondere bei der Benutzung von Ameisensäure zur Behandlung von Bienenvölkern ist nicht jede Art von Ameisensäure geeignet. Hier gibt es kleine aber wichtige Unterschiede. Da es sich bei Bienen um lebensmittelliefernde Tiere handelt, dürfen diese per Arzneimittelgesetz ausschließlich mit Präparaten behandelt werden, welche dafür zugelassen sind. In Deutschland sind die einzigen zugelassenen Ameisensäurepräparate:

  • Varroacid 60 (Wirtschaftsgenossenschaft Deutscher Tierärzte, WDT)
  • Ameisensäure ad us. vet. 60% (Serum-Werk-Bernburg AG)

Der Hinweis „ad us. vet.“ (ad usum veterinarium) bedeutet frei übersetzt „für den Veterinärgebrauch“ und bezeichnet demzufolge Stoffe, die als Tierarzneimittel durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zugelassen sind und verwendet werden dürfen. Das BVL prüft für zukünftige Arzneimittel unter anderem das Herstellungsverfahren und die Beschaffenheit des Tierarzneimittels oder der Ausgangssubstanzen auf Identität, Gehalt und Reinheit. Auch die Stabilität und Verträglichkeit eines Produktes wird hier geprüft, ebenso wie die Unbedenklichkeit, welches eine Abschätzung des möglichen Risikos einer Therapie für Mensch und Tier ermöglicht. Nur wenn ein Tierarzneimittel für das Tier verträglich, für den Anwender handhabbar und für die Umwelt und die Konsumenten von tierischen Lebensmitteln ungefährlich ist, wird es zugelassen.

Andere Ameisensäureprodukte (sog. technische Ameisensäure) ist für den Gebrauch am Tier nicht bestimmt, da hier weder Daten über die Reinheit und Wirksamkeit des Produktes noch über beigemischte Stoffe oder mögliche Rückstände vorliegen.

Ameisensäure ist eine stark ätzende Chemikalie und reizt bei Kontakt mit der Flüssigkeit oder ihren Dämpfen die Atemwege und Augen. Auf der Haut führt sie ab einer Konzentration über zehn Prozent zu teils schweren Verätzungen und Blasen. Beim Zerfall von Ameisensäure kann des Weiteren giftiges Kohlenmonoxid entstehen. Die Säure kann darüber hinaus zu Hautallergien oder Leber- und Nierenschäden führen. Aus diesem Grunde ist bei der Handhabung von Ameisensäure äußerste Vorsicht geboten und ausreichende Schutzkleidung wie Schutzbrille, säurefeste Handschuhe und langärmelige Kleidung sollte immer verwendet werden.

Bei der Lagerung von Ameisensäure ist darauf zu achten, dass sie an einem kühlen, gut belüfteten Ort aufbewahrt wird. Die Behälter müssen außerdem mit einer Druckausgleichverschraubung versehen sein, da sonst ein Überdruck durch entstehende Gase auftreten kann. Ab einem Volumenanteil von 12-38% in Luft bilden die brennbaren Dämpfe der Ameisensäure explosive Gemische.

Weitere Informationen zum Zulassungsverfahren des BVL finden Sie hier.

Anmerkung: Die Andwendung von Tierarzneimitteln an lebensmittelliefernden Tieren muss laut der "Verordnung über Nachweispflichten für Arzneimittel, die zur Anwendung bei Tieren bestimmt sind" in einem Bestandsbuch dokumentiert werden. Hier können sie das Bestandsbuch herunterladen oder bestellen.